Preußen
 
Geschichte bis 1815/20
Preußen trägt seinen Namen nach den baltischen Pruzzen bzw. Prußen, die um 1200 die Gebiete zwischen Litauen, Culmer Land, Weichsel und Nogat bewohnten. Im 13. Jahrhundert wurde das Gebiet nach und nach durch den Deutschen Orden erobert. 1466 musste der Deutsche Orden Pommerellen, Culmer Land, Ermland, Michelau sowie die Gebiete von Marienburg, Elbing, Christburg und Stuhm an Polen abtreten. 1530 wandelte der Hochmeister des Deutschen Ordens Albrecht von Brandenburg-Ansbach (1490-1568) das verbliebene Gebiet in Ostpreußen in das erbliche, unter Lehnshoheit Polens stehende Herzogtum Preußen um. 1618/19 wurde das Herzogtum mit Brandenburg in Personalunion vereinigt und 1657/60 vertraglich von der Lehnshoheit Polens gelöst. Damit war es ein souveränes Land der Kurfürsten von Brandenburg.
Am 18. Januar 1701 krönte sich Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg (1657-1713) in Königsberg als Friedrich I. zum König in Preußen. Mit der auf die anderen brandenburgischen Länder übertragenen Königswürde ging zugleich der Name Preußen auf den brandenburgisch-preußischen Gesamtstaat über, wobei das ehemalige Herzogtum Preußen nicht zum Heiligen Römischen Reich gehörte.
Im Jahre 1702 erbte Friedrich I. die Grafschaft Lingen und das Fürstentum Moers, 1707 das Fürstentum Neuenburg (Neuchâtel) mit der Grafschaft Valangin. 1707/29 kaufte er die Grafschaft Tecklenburg sowie die Erbpropstei über Nordhausen und Quedlinburg.
Sein Sohn Friedrich Wilhelm I. (1688-1740), der Soldatenkönig, erhielt Obergeldern und erwarb von Schweden 1720 im Frieden von Stockholm Vorpommern bis zur Peene mit Stettin, Usedom und Wollin. Friedrich II. (1712-1786), der Große, der sich seit 1772 König von Preußen nannte, eroberte in drei Kriegen den Großteil Schlesiens, erbte einen Teil Ostfrieslands und erlangte bei der Teilung Polens 1772 Westpreußen, das Ermland und den Netzedistrikt.
1791 erwarb Preußen unter Friedrich Wilhelm II. (1744-1797) die hohenzollernschen Markgrafschaften Ansbach und Bayreuth und erhielt in der zweiten und dritten Teilung Polens 1793 und 1795 Danzig, Thorn, Südpreußen und Neuostpreußen. 1795 fielen die gesamten linksrheinischen Gebiete an das revolutionäre Frankreich. Für diese Verluste erhielt Preußen im Reichsdeputationshauptschluss 1803 einen Gebietsausgleich im Umfang von 9.543 Quadratkilometern.
Auf dem Wiener Kongress konnte Preußen trotz gewisser Verluste in Polen und der Abtretung Ansbachs und Bayreuths an Bayern mit dem Gewinn der späteren Provinzen Jülich-Kleve-Berg, Niederrhein, Westfalen und Sachsen sein Staatsgebiet noch einmal erheblich vergrößern.

Berlin, Merian, 1652


Krönung Friedrichs I. am 18. Januar 1701 in Königsberg, 1712


Allegorie auf die Krönung Friedrichs I. in Preußen, nach 1701