Hessen-Darmstadt
 
Kultur und Bildung
Landesuniversität ist die 1607 gegründete Universität Gießen. Dort studiert zeitweilig der aus Darmstadt stammende Dramatiker Georg Büchner (1813-1837) Medizin und Philosophie. 1835, im Jahr der Veröffentlichung seines Erstlingswerkes "Dantons Tod", muss er wegen seiner revolutionären Flugschrift "Der hessische Landbote" nach Straßburg fliehen.
Seit 1824 leitet Justus Liebig (1803-1873) das chemische Labor der Universität Gießen und entwickelt in systematischer empirischer Forschung den Kunstdünger, mit dem Hungersnöten wirkungsvoll vorgebeugt werden konnte.
1877 wird in Darmstadt die Technische Hochschule als zweite Universität des Landes gegründet.
Die Volksschullehrer werden seit 1817/21 an Seminaren in Friedberg und Bensheim ausgebildet. Mit Einrichtung der überkonfessionellen "Simultanschule" ist 1874 die kirchlich dominierte Schulaufsicht beendet. Seit 1832 können sich Frauen nach einer privat absolvierten Ausbildung zur Volksschullehrerin prüfen lassen. 1877 wird in Darmstadt zudem ein Lehrerinnen-Seminar eingerichtet.
Gefördert von Großherzog Ernst Ludwig (1868-1937) entsteht der sogenannte Darmstädter Jugendstil. 1899 bietet der Großherzog dem Wiener Architekten Joseph Olbrich (1867-1908) und Künstlern wie Peter Behrens (1868-1940) und Ludwig Habich (1872-1949) die Chance, auf seine Kosten am Rande der Stadt auf der Mathildenhöhe in einer Künstlerkolonie zu wohnen und zu arbeiten. Atelier und Wohngebäude werden im neuen Stil entworfen und der Öffentlichkeit in der programmatischen Ausstellung "Ein Dokument deutscher Kunst" 1901 erstmals präsentiert. Die letzte Ausstellung muss im August 1914 aufgrund des Beginns des Ersten Weltkrieges abgebrochen werden.

Georg Büchner: Danton’s Tod, 1835


Darmstadt: Technische Hochschule, um 1900


Darmstadt: Mathildenhöhe, um 1900


Plakat der Künstlerkolonie Mathildenhöhe, 1904