Anhalt-Bernburg
 
Wirtschaft

Bodennutzung und Landwirtschaft
Während der fruchtbare Boden im Gebiet um Bernburg für den Zuckerrübenanbau geeignet ist, werden im Ballenstedter Gebiet vornehmlich Roggen und Kartoffeln angebaut. Im Allgemeinen herrscht beim Ackerbau noch das bekannte Dreifeldersystem. Der landwirtschaftliche Großbetrieb (Domänen) überwiegt vor allem im Bernburger Landesteil.
Der Viehbestand liegt 1821 bei 3613 Pferden, 12.815 Rindern und 88.076 Schafen.


Bergbau
Die Bergwerke des Oberherzogtums liefern Silber, Blei, Schwefel, Vitriol, Glötte, Gips, Schiefer, Steinkohle, Bruch- und Sandstein. Eisenerz findet sich im Harz. Die Förderquote beläuft sich 1860 auf 293t und erreicht 1861 einen Höchstwert mit 1.012t.
Im Unterherzogtum wird Braunkohle gefördert. Die Fördermenge steigt von 92.539t im Jahre 1860 auf 149.008t im Jahre 1863 an.


Gewerbe und Industrie
Die industrielle Landschaft Anhalts besteht um 1800 außer dem Erzbergbau im Harz im Wesentlichen nur im innungsgebundenen Handwerk. Volle Gewerbefreiheit erhält das Land erst in den späten 1860er Jahren. 1822 existieren eine Papiermühle und eine Fayencefabrik in Bernburg sowie eine Pulvermühle im Selketal. 1835 wird in Groß-Mühlingen eine Zuckerfabrik gegründet und 1844 in Friedrichshöhe eine Glashütte. Der Maschinenbau setzt erst 1844 ein und konzentriert sich zunächst in Bernburg.
In Ballenstedt wird 1822 Lagerbier gebraut, im Schackenthal Bitterbier. Branntweinbrennereien, von denen die erste in Anhalt 1724 in Bernburg angelegt wurde, sind in allen Städten und auf den meisten Gütern ein wichtiger Erwerbszweig.
Die Roheisenproduktion hat ihren Höchstwert 1854 mit 1.140t und liegt 1862 bei 536t. Die Stahlproduktion pendelt sich im Zeitraum von 1850 bis 1863 bei um die 300t pro Jahr ein.


Handel
Der gesamte Handel beschränkt sich weitgehend auf die Ausfuhr der Landeserzeugnisse, für welche Dessau und Bernburg die Hauptmärkte sind.

Währung, Maße, Gewichte
In Anhalt-Bernburg rechnet man nach Reichstalern à 24 Gramm à 12 Pfennig im Wert des preußischen Courant. Am 19. Januar 1840 tritt das Herzogtum dem deutschen Münzverein bei. Es gelten die preußischen Maße und Gewichte. Durch ein Gesetz vom 19. November 1850 werden die preußische Scheidemünze und am 9. Dezember 1850 preußisches Maß und Gewicht auch offiziell für Bernburg festgelegt.



Anhalt-Bernburg, Sechsteltaler, 1862