Oldenburg
 
Wirtschaft

Bodennutzung und Landwirtschaft
Haupterwerbszweig im Großherzogtum Oldenburg ist die Landwirtschaft, die um 1850 fast zwei Drittel der Bevölkerung und 1895 noch knapp die Hälfte beschäftigt. Am ergiebigsten ist der Ackerbau in den Marschgebieten, wo vornehmlich Weizen und Raps angebaut werden. In den Geestgebieten gedeihen Flachs und Hopfen besonders gut.
Ein landwirtschaftlicher Schwerpunkt liegt auf der Viehzucht, wobei Pferde und Rinder vor allem in den Marschgebieten anzufinden sind. Der Viehbestand beträgt 1892 über 32.384 Pferde, 196.825 Rinder, 129.588 Schafe, 113.501 Schweine und 26.677 Ziegen.



Bergbau
Der Bergbau ist im Wesentlichen auf das Fürstentum Birkenfeld beschränkt. Neben der Eisenerzförderung mit einem Höchstwert von 3.796t im Jahre 1861 konzentriert sich der Bergbau auf Schiefer, Blei und Kupfer sowie etwas Steinkohle.
Bei Oberstein im Fürstentum Birkenfeld gibt es bedeutende Mengen Achat. Edelsteine und Halbedelsteine sind im Idartal zu finden.


Gewerbe und Industrie
Das Großherzogtum Oldenburg ist insgesamt wenig industrialisiert. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist lediglich Varel am Jadebusen mit Eisengießerei und Maschinenbau, aber auch Textilgewerbe von Bedeutung.
Uneingeschränkte Gewerbefreiheit besteht erst seit 1861.
Zu Beginn der 1860er Jahre findet die Eisenindustrie einen neuen Auftraggeber im wachsenden preußischen Kriegshafen Wilhelmshaven. Insbesondere am Standort Augustfehn wird hochwertiger Stahl produziert. Langfristig erreicht die Stahlproduktion des Großherzogtums Oldenburg mit 8.742t im Jahre 1865 ihren Höhepunkt. Roheisen wird lediglich im Fürstentum Birkenfeld produziert, der Höchstwert liegt dort bei 673t im Jahre 1871.
Um die Jahrhundertwende kommen mit Delmenhorst, Lohne und Nordenham weitere Industriestandorte hinzu, die insbesondere in der Linoleum- und Wollindustrie Bedeutung erlangen. Das bis heute bestehende friesische Brauhaus zu Jever wird 1848 als kleine Privatbrauerei gegründet.
Um 1900 befinden sich rund 50 Achat- und Edelsteinschleiferein im Idartal bei Oberstein im Fürstentum Birkenfeld.


Handel
Der Handel wird vornehmlich über Bremen abgewickelt, das ein wichtiger Abnehmer für Vieh und Weißkohl ist und im Gegenzug Manufaktur- und Kolonialwaren liefert. Bis zur Jahrhundertmitte nehmen die Niederlande einen Großteil des bei Jever angebauten Rapses ab.
Das größte Schifffahrtsunternehmen ist die „Oldenburgisch-portugiesische Dampfschiffahrtsgesellschaft". Sie verkehrt hauptsächlich von Hamburg und Bremen aus und fährt vornehmlich portugiesische Häfen und Marokko an. Ende 1904 besitzt sie eine Flotte von 17 Dampfern mit 20.533NRT.


Währung, Maße, Gewichte
Bis 1857 besteht als Währung der Reichstaler zu 72 Groten à 5 Schwaren, danach wird gerechnet nach Talern zu 30 Groschen à 12 Pfennige oder Schwaren.
Als Längenmaß gilt der Oldenburgische Fuß, Flächenmaß ist die Rute und Handelsgewicht das Pfund.




Oldenburg, 1 Grote, 1856