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Bodennutzung und Landwirtschaft Haupterwerbszweig in der Landwirtschaft ist im Fürstentum Reuß jüngere Linie die Forstwirtschaft. Rund 38% des Gebietes sind bewaldet und bestehen zu 96% aus Nadelholz.
Einzig die fruchtbaren Täler bieten günstige Voraussetzungen für den Ackerbau in dem ansonsten sehr gebirgigen und eher kargen Land. Angebaut werden vornehmlich Weizen, Roggen, Sommergerste, Hafer, Kartoffeln und Klee. Obst wird hauptsächlich in Hausgärten gezogen. Im südlichen Oberland wird zudem Flachs angebaut. Hinsichtlich der Viehzucht werden vor allem Rinder und Schweine gezüchtet. Der Bestand an Pferden und Schafen ist verhältnismäßig gering.
Bergbau Der Bergbau ist auf die Gebirgsgegenden beschränkt. Neben der Eisenerzförderung mit einem Höchstwert von 7.598t im Jahre 1872 und einer Braunkohleförderung von 8.314t im Jahre 1886 konzentriert sich der Bergbau auf Blei, Kupfer, etwas Silber, Kobalt, Vitriol und Alaun.
Eine Saline befindet sich in Heinrichshall bei Gera.
Gewerbe und Industrie Die Einführung der Gewerbefreiheit 1863 leitet eine Liberalisierung des Wirtschaftslebens ein.
Die Industrie entwickelt sich in der zweiten Jahrhunderthälfte rasant. Im Jahre 1895 erreicht der Anteil der Industriebevölkerung an der Zahl der Erwerbstätigen der Fürstentümer Reuß jüngere Linie und Reuß ältere Linie mit 68% einen außerordentlich hohen Wert. Selbst im stark industrialisierten Sachsen liegt der Anteil zu diesem Zeitpunkt nur etwa bei 50, und deutschlandweit bei 39%.
Bedeutendster Industriezweig ist die Textilindustrie mit einem Ballungszentrum um Gera und einem Schwerpunkt in der Fabrikation von Kammwollwaren. 1891 werden in Gera 62 Textilfabriken gezählt, sowie 9.500 mechanische Webstühle und etwa 11.000 Textilarbeiter. Im ganzen Fürstentum finden sich um 1900 rund 12.000 Webstühle. Das bedeutendste Unternehmen in Gera ist die 1834 gegründete Firma Ernst Friedrich Weißpflog. In Zwötzen bei Gera gründen Geraer und Greizer Unternehmer 1890 die Gera-Greizer-Kammgarnspinnerei AG. Zudem sind in Gera Teppichwebereien, Färbereien, Gerbereien und Rosshaarspinnereien angesiedelt.
Weitere Industriezentren sind für Jutespinnerei und -weberei Triebes, für Tabak- und Zigarrenfabrikation Gera und Lobenstein, für die Fabrikation von Harmoniken und Akkordeons Gera und Niederböhmersdorf und für die Fabrikation von Metallwaren Schleiz. Porzellanfabriken finden sich um 1900 noch in Gera-Untermhaus und Langenberg.
Weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt sind die Sohlenlederfabrik in Hirschberg an der Saale, die Bierbrauerei in Köstritz und die Marmorschleiferei in Saalburg.
Die Stahlproduktion des Fürstentums Reuß jüngere Linie erreicht mit 212t im Jahre 1860 ihren Höhepunkt, die Roheisenproduktion 1872 mit 1.221t.
Handel Die im Fürstentum angesiedelte Textilindustrie verfügt über ein ausgedehntes internationales Handelsnetz. Neben den Textilien sind die wichtigsten Ausfuhrartikel beider reußischen Fürstentümer Holz, Rinder, Butter, Eisen, Maschinen, Leder, Musikinstrumente und Porzellan. Eingeführt werden vor allem Stein- und Braunkohle, wollene Garne, Getreide, Obst, Leinsamen, Talg, rohe Häute, Glas und Kolonialwaren.
Währung, Maße, Gewichte In den Reußischen Fürstentümern wird seit 1841 nach Talern zu 30 Groschen à 12 Pfennigen gerechnet. Längenmaß ist der Fuß, Flächenmaß ist der Scheffel sowie in Schleiz auch der Morgen, Handelsgewicht ist das Leipziger Pfund.
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